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Elisabeth Vischer-Alioth: Eine der ersten Frauen in der Schweiz, die in ein politisches Amt gewählt wurden


Elisabeth Alioth kommt am 1892 als jüngste von fünf Töchtern des Maschinenfabrikanten Ludwig Rudolf Alioth und der Bertha, geb. von Speyer, in Arlesheim zur Welt. Den für ihr künftiges Wirken entscheidenden Teil ihrer Ausbildung erhält sie in den Jahren 1913/14 an der Sozialen Frauenschule Berlin. Seit dieser Zeit fühlt sich Elisabeth berufen, für die soziale und politische Gleichberechtigung der Frau zu kämpfen. 1919 heiratet sie Eberhard Vischer*. Der erfolgreiche Jurist unterstützt sie in ihren Bestrebungen. Leider fällt er bereits 1929 einem Bergunfall zum Opfer - seine Frau Elisabeth ist zu dem Zeitpunkt gerade mal 37 Jahre alt. Das Paar hat keine Kinder, aber ab 1935 zieht sie nach dem Tod ihrer Schwester Jenny ihre zwei Neffen auf. Seit 1916 engagiert sie sich für die Frauenstimmrechtsbewegung. Von 1922 bis 1935 präsidiert sie die Vereinigung für Frauenstimmrecht Basel, und von 1940 bis 1952 den Schweizerischen Verband für das Frauenstimmrecht. Sie ist Mitbegründerin der Europäischen Frauenunion und wird im Jahr 1946 zur Ehrensekretärin der International Alliance for Women’s Suffrage and Equal Citizenship ernannt. Sie ist Vorstandsmitglied des Bundes Schweizerischer Frauenvereine, Delegierte des Kirchenrates für die Jungmädchenarbeit für die Evang.-ref. Kirche BS und von 1928 bis 1933 Vizepräsidentin des Konsumgenossenschaftlichen Frauenbundes.
Der Kampf für das Frauenstimmrecht führt sie auch in den Journalismus. Unter der Signatur E.V.A. schreibt sie ab 1920 zahlreiche Artikel, v.a. in der «Nationalzeitung» und im «Schweizer Frauenblatt». Hinzu kommen Stellungnahmen und Abhandlungen in Broschüren des Schweizerischen Verbandes für Frauenstimmrecht und im Jahrbuch der Schweizer Frauen. Daneben hält sie zahlreiche Vorträge und gibt Kurse zur Organisation der politischen Arbeit von Frauen und verfasst Beiträge für das Radio.
Als erste Frau wird sie 1955 vom weiteren Bürgerrat der Stadt Basel (heute Bürgergemeinderat) in die nur aus Männern bestehende Bürgerkommission gewählt. Am 5. Dezember 1961 eröffnet mit Elisabeth Vischer-Alioth - zum ersten Mal in der Schweizer Geschichte - eine Frau die Legislaturperiode eines Parlamentes. Elisabeth Vischer wird mit elf weiteren Frauen in den weiteren Bürgerrat von Basel gewählt, und ihr obliegt es mit ihren 70 Jahren, die Sitzung als Alterspräsidentin zu eröffnen. Sie schreibt später dazu: «Zum ersten Mal sollte ich nun einer Behörde vorstehen! Ich war mir bewusst, dass eine Frau sich in doppeltem Sinn zu bewähren hätte, denn wie leicht könnte mein Versagen verallgemeinert werden! ». Die Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz und im Kanton Basel-Stadt erlebt Elisabeth Vischer-Alioth nicht mehr - sie stirbt am 20. August 1963 in Basel.

* Eberhard Vischer (Jurist) war der älteste Sohn von Eberhard Vischer-Koechlin (Theologe) und der Grosssohn von Wilhelm Vischer-Heussler, Stammvater Stamm A (u.a. Rektor der Uni Basel). Er hatte 2 Brüder und 4 Schwestern; uns von den Familientagen bekannt sind vor allem die männlichen Kinder seines Bruders Wilhelm Vischer (Theologe), seine beiden Neffen Wolfgang Vischer-Zimmerli und Eberhard Vischer-Henrich, sowie deren Nachkommen.

Quellen: Antonia Schmidlin, bz vom 2. März 2021; Kurt Jenni, Basler Stadtbuch 1965